Warten auf den Bock

Letzten Montag hatte es mich beruflich nach Eschborn getrieben und da ich einen 13 Stunden Arbeitstag hatte, wollte ich danach nur noch bis ins Revier fahren und mich noch etwas auf Rehbock ansetzten. Das Umziehen auf dem Parkplatz vor der Konzernzentrale wurde schon interessiert beobachtet. Von legere Business in legere Jagd. Ich muss gestehen das ich bis dato noch keinen Abschuss hatte. Damit meine ich nicht in diesem Jagdjahr, sondern überhaupt nicht! Ich besitze seit nunmehr 3 (Jagd) Jahren und 4 Monaten den Jagdschein. Hatte diverse Jagdmöglichkeiten, welche in der Hauptsache Drückjagden waren und bin seit diesem Jagdjahr Mitpächter eines Reviers von 421 ha Größe. „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ 

Um kurz vor 20h, Im Revier angekommen machte ich mich daran zum Ansitz zu gehen um 5 Meter davor vom „bellen“ des Bocks einen herben Rückschlag bezüglich der Aussicht auf Erfolg zu erleiden. Er war wohl ganz in der Nähe der Leiter und bekam sofort Wind von mir. Ich gab die Hoffnung aber nicht auftun endlich meinen ersten Bock vor die Büchse zu bekommen und machte mich daran die Doch schon recht betagte Aluleiter zu besteigen. Das mag für die meisten meiner Waidgenossen kein Problem darstellen, doch was meine Person angeht ist dies öfters mit der Frage verbunden, „Wird sie’s aushalten?“. Ich machte mIch also daran meine zarten 150kg die Leiter hinauf zu bewegen. Ich muss dazu sagen da ich ja erst seit 01.04 diesen Jahres Mitpächter dieses Jagdreviers bin, kenne ich noch nicht alle jagdlichen Einrichtungen und hatte auch noch nicht auf dieser Leiter gesessen. In ca. 3 Meter Höhe angekommen präsentierte sich mir eine stattliche Sitzfläche von 90 cm Breite und üppigen 10 cm Tiefe! Zu den großzügigen Maßen der Sitzgelegenheit, gesellte sich dann auch noch eine erstaunliche Flexibilität. Was mich dazu Veranlasste meine Entscheidung für diese Jagdliche Einrichtug kurz zu überdenken. Aber da ich versuche mich an meine Bauchentscheidungen zu halten und nicht den Kopf dazwischen funken zu lassen, bin ich oben geblieben. Also 20% Gewicht auf den Po, 40% auf die Ellenbogen die auf dem „Geländer“ ruhten und weitere 40% auf den Beinen, da meine Füße noch immer auf der oberen Metallsprosse ruhten. Klingt nicht wirklich gemütlich und war es auch nicht. Doch ich konnte, das Gewehr im Anschlag, die vor mir liegende Schneise zwischen zwei Rapsfeldern gut abdecken. 

Da das Wetter in den letzten Tagen doch sehr warm war hatte ich auf die Mitnahme einer Jacke verzichtet. Das hieß natürlich das es zu regnen begann. Dies war mir klar als ich kurz zuvor das Auto hinter mir verschloss und noch einen Blick auf die Jacke warf, die Ich auf der Rückbank zurückgelassen hatte. Aber ich wollte nicht abbaumen nur weil ich etwas nass werden würde. Zumal ich hinter mir im Wald das fiepen von Ricken hörte und hoffte der Bock würde zurückkommen. Gesagt getan, ich verhielt mich ruhig und wartete. 

Nach gut einer Stunde hielt sich die Feuchtigkeit meiner Kleidung zum Glück in Grenzen, da das spärliche Blätterdach über mir doch mehr Regen zurückhielt als zuerst gedacht. Rechts hinter mir vernahm ich dann ein Knacken und Rascheln im Unterholz, was mich dazu bewog meinen Kopf langsam zu drehen. Leider war dies das einzige Körperteil welches ich drehen konnte ohne durch meine nicht so vertrauenserweckende Sitzgelegenheit zu brechen. Ich dachte nur „Hallo Bock!“ Ganz vertraut und sich nicht im geringsten gestört fühlend ääste ein Rehbock hinter mir auf der Rückegasse. Da ich meinen Kopf bis aufs Äußerste nach rechts gedreht hatte war es mir nicht möglich mehr von ihm zu sehen. Doch das er in nur 5 Metern Distanz hinter mir vorbeizog fand ich schon beeindruckend, da es das erste Mal war das ich einem Wildtier so nah war. Als er dann weiterzog konnte ich meine Kopf nun nur nach links hinten drehen und beobachten wie er in der Dickung verschwand. Mit neuer neuer Motivation wartete ich nun das er auf die Schneise vor mir austreten würde. Was er natürlich nicht Tat. 

Ein paar Minuten später konnte ich aber nochZwillingskitze beim Spielen beobachten was ein sehr schöner Anblick war. Ein kurzes Fiepen der Ricke ließ sie aber schnurstracks in den Wald zurücklaufen. Das erinnerte mich doch sehr an meine Kindheit. Meine Mutter Pfiff immer auf den Fingern wenn wir zum Essen reinkommen sollten. 

Eine halbe Stunde später baumte ich dann ab. Wind hatte gedreht und ich bekam in nun in den Rücken. Doch auch wenn ich mal wieder keinen Jagderfolg hatte, so war es ein schönes Erlebniss und wie heißt es wohl schön? 

Das ist Jagd! 

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3 Gedanken zu “Warten auf den Bock

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